Virtual Reality und die Realität

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virtelle realität philosophie vr brille playstationDie Zukunftsvision vieler Technikbegeisterter ist euphorisch: Man muss nicht mehr ins Büro gehen, weil das Büro nachgebildet wird und alle Angestellten sich im virtuellen Büro gegenseitig anschreien können. Doch gibt es bedeutende Unterschiede zwischen der altmodischen Realität und der virtuellen? Und wenn es bedeutende Unterschiede gibt: Sprechen diese gegen eine Verlagerung des Büros in den virtuellen Raum? Eine philosophische Analyse.

Vorher sei angemerkt, dass ich größtenteils nicht von der VR spreche, wie sie derzeit noch nicht geschieht. Denn die VR besteht aus Spielen, die keine oder nur sehr geringe Auswirkungen auf die Realität haben. Ich werde dagegen von der Weiterführung der VR sprechen, in der VR auch Auswirkungen auf die Realität haben kann, welche man auch „reale virtuelle Realität“ nennen könnte.

Frage 1: Gibt es bedeutende Unterschiede zwischen der altmodischen Realität und der virtuellen Realität?

Hierfür kann man einen philosophischen Klassiker bemühen: Hillary Putnam und sein Gehirn im Tank-Gedankenexperiment. Hierbei geht es kurz gesagt darum, dass ein Gehirn außerhalb eines Körpers, quasi extern, am Leben gehalten wird. Dabei werden ihm Daten zugeschickt, die zusammengenommen die Realität exakt nachbilden: Von A wie „Aal“ bis Z wie „Zyrkon“ werden alle Objekte eingespeist, so wie im Film „Matrix“. Genau wie in diesem Gedankenexperiment soll idealerweise eine VR-Brille funktionieren: Sie soll dem Nutzer eine Welt erschaffen, die kein bisschen von der Realität unterscheidbar ist. Oder zumindest nur Unterschiede übrig lassen, die der Nutzer nicht merkt. Denn dann hat der Nutzer immer noch das Gefühl, er befinde sich in der Realität, also im Büro samt cholerischer Mitarbeiter. Genauer muss Frage 1 also lauten: Ist es möglich, eine virtuelle Realität zu schaffen, die dem Nutzer das Gefühl der Realität gibt?

Beim Gehirn im Tank-Experiment kommt heraus: Es ist möglich, das Gefühl der Realität zu verleihen. Doch hier hat das Gehirn von Anfang an keinen anderen Bezugspunkt, als die eingespeiste Pseudo-Realität. Wenn dem Gehirn also ein Aal vorgegaukelt wird, kann es nicht herausfinden, dass der Aal kein echtes Objekt, sondern nur Bits und Bytes ist. Denn es keinen Aal qua echtes Objekt mit dem es den Byte-Aal vergleichen könnte. Genauso wäre es übrigens Neo ergangen – wenn Leute aus der Realität wie Morpheus und Co. ihm nicht Hinweise gegeben und Spuren hinterlassen hätten.

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Hier hilft Trinity Neo auf die Sprünge. Doch aufgewacht ist er von alleine. Vielleicht unterbewusst?

(a) Wir kennen die Originale

Wir hingegen kennen in Bezug auf Virtual Reality allerdings eine reale Welt. Vielleicht ist unsere reale Welt ja auch nicht die wahre Realität, dass kann man nie ausschließen. Aber sie ist zumindest realer als Virtual Reality, denn wir können uns sicher sein, dass Virtual Reality nur von anderen Menschen konstruiert ist.

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Vor allem bei einfacher virtueller Realität ist klar, dass alles von einer Gruppe von Menschen ausgedacht wurde

(b) Turn it off!

Ein zweiter Unterschied zwischen Virtual Reality und unserer Realität folgt aus (a): Dadurch, dass VR konstruiert ist, kann sie auch jederzeit abgestellt werden. Wenn es einem also zu heiß wird, nimmt man mal kurz die Brille ab. Wenn man also ein nervenaufreibendes VR Spiel auf der PS4 spielt, wie „The Deep“ und dort Haien begegnet, kann man jederzeit aussteigen. Im wahren Leben ist diese Gewissheit nicht an Bord… Wenn man im echten Büro sitzt, muss man sich die Zurechtweisungen des Chefs anhören oder man geht und kann gleich seinen Kram zusammenpacken. Dieser Unterschied ist in Bezug auf die Zukunftsvision von VR aber kaum anwendbar. Denn wenn das eigene Büro simuliert wird, kann man bei Ärger mit dem Chef nicht einfach die Brille ausschalten. Denn das wäre ungefähr so, wie einfach gehen…

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Vor allem bei Interaktion in einem Computerspiel oder 3D-Filmen ist klar: Wenn die Erlebnisse als zu intensiv empfunden werden, kann man die Brille einfach abnehmen, so wie Neo den Hörer…

c) Parallel am A…

Die Realität ist aber parallel auch noch da… Und bleibt teilweise unberührt. Denn selbst wenn man virtuell im Büro oder im Bordell ist: man sitzt auch gleichzeitig auf dem Stuhl mit seiner leiblichen Hülle und im Hintergrund kann die eigene Frau jederzeit durch die Tür kommen. Doch merkt man das überhaupt? Wenn die virtuelle Realität perfekt ist, sicherlich nicht. Deswegen muss man sich jederzeit in der virtuellen Realität die Frage stellen: Passiert gerade irgendetwas in der Realität, was ich nicht mitkriege? Was mich sogar verletzen könnte? Man fühlt sich also, da praktisch in Stasis, sehr verletzlich. Und das trübt dann doch das Gefühl der virtuellen Realität…

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Neo ist in der virtuellen Realität und verpasst, was Trinity ihm parallel in der Realität sagt. Trotzdem hat er sie klargemacht:)

Frage 2: Sprechen die Unterschiede gegen eine Verlagerung des Büros in den virtuellen Raum?

a) scheint wenig relevant für die Glaubwürdigkeit von VR. Zwar weiß man, dass das virtuelle Büro nicht real sondern nur konstruiert ist und auch die Menschen nur digitale Projektionen. Doch die geäußerten Gedanken und deren Konsequenzen sind real. Von daher muss man bei „realer virtueller Realität“ genauso aufpassen wie im echten Büro.

Unterschied b), also dass VR jederzeit abgeschaltet werden kann, ist sicherlich derzeit noch war. Doch wenn man VR zu Schauplätzen macht, bei denen reale Menschen beteiligt sind und die reale Auswirkungen haben, kann man die Brille nicht einfach abschalten.

c) dagegen zieht mehr. Wer immer VR benutzt wird im Hinterkopf die „andere Realität“ haben. Natürlich nicht die ganze Zeit, vielleicht sogar nur selten. Doch es ist ein Gedanke, der schon sehr irritiert. Und je besser VR wird, desto stärker wird diese Irritation, denn man wird immer mehr von VR eingenommen. Und ist handlungsunfähig in der Realität.
AFK andersrum: Away from first Reality

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